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Verhaltenskategorien beim Hund

  • 9. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 20. Juni

Um Hundeverhalten besser verstehen und einordnen zu können, wird es in verschiedene Verhaltenskategorien unterteilt. Diese Kategorien beschreiben nicht nur, was ein Hund tut, sondern vor allem, welche biologische oder soziale Funktion ein Verhalten erfüllt.


Die nachfolgende Einteilung orientiert sich an den Arbeiten der Verhaltensforscherin Prof. Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen, deren Forschung das Verständnis des natürlichen Hundeverhaltens massgeblich geprägt hat. Die Verhaltenskategorien helfen dabei, Verhalten fachlich zu analysieren und im jeweiligen Kontext besser zu verstehen.


Wichtig zu wissen: Die aufgeführten Kategorien sind nicht abschliessend. Verhalten ist komplex und kann je nach Situation mehreren Kategorien gleichzeitig zugeordnet werden. Die Übergänge sind fliessend und viele Verhaltensweisen erfüllen mehr als nur eine Funktion.


Verhaltenskategorien beim Hund 
Fachbeitrag Dogissima Schweiz

Komfortverhalten

Komfortverhalten umfasst Verhaltensweisen, die dem körperlichen und psychischen Wohlbefinden dienen. Dazu gehören beispielsweise Dehnen, Schütteln, Kratzen, Gähnen, Wälzen oder Körperpflege.

Diese Verhaltensweisen können Entspannung und Wohlbefinden anzeigen, dienen aber auch dem Stressabbau oder der Selbstregulation nach aufregenden Situationen.


Kontaktaufnahme und soziale Annäherung

Diese Verhaltenskategorie umfasst freundliche Verhaltensweisen zur Kontaktaufnahme und Beziehungspflege.

Typische Beispiele sind:

·        Schnüffeln

·        sanftes Annähern

·        Anstupsen

·        lockere Begrüssungen

·        soziale Interaktionen


Das Verhalten dient dem Aufbau und Erhalt sozialer Beziehungen zu Artgenossen und Menschen.


Allelomimetisches Verhalten

Unter allelomimetischem Verhalten versteht man das Nachahmen von Verhaltensweisen anderer Gruppenmitglieder.

Typische Beispiele sind:

·        gemeinsames Aufstehen

·        gemeinsames Ruhen

·        gleichzeitiges Loslaufen

·        gemeinsames Beobachten


Dieses Verhalten stärkt den Zusammenhalt sozialer Gruppen und erleichtert Lernen durch Beobachtung.


Submissions- oder Demutsverhalten

Submissionsverhalten dient der Konfliktvermeidung und Deeskalation.


Typische Merkmale sind:

·        Kopfsenken

·        Maulanlecken

·        geduckte Körperhaltung

·        sich klein machen

·        auf den Rücken drehen


Diese Verhaltensweisen sollen Spannungen abbauen und soziale Konflikte entschärfen.


Angstverhalten

Angstverhalten tritt auf, wenn ein Hund eine Situation oder einen Reiz als bedrohlich wahrnimmt.


Mögliche Anzeichen sind:

·        Duckhaltung

·        eingeklemmte Rute

·        Zittern

·        Erstarren

·        Fluchtversuche

·        Meideverhalten


Das Verhalten dient dem Selbstschutz und soll helfen, Gefahren zu vermeiden.


Rückzugsverhalten

Rückzugsverhalten beschreibt die aktive Distanznahme zu einer Situation oder einem Reiz.

Der Hund versucht dabei, sich einer Überforderung oder einem Konflikt zu entziehen, beispielsweise durch:

·        Verlassen eines Raumes

·        Rückzug ins Körbchen

·        Distanzvergrösserung

·        Blickvermeidung


Rückzug ist ein wichtiges Mittel der Selbstregulation und sollte respektiert werden.



Erkundungsverhalten dient der Informationsgewinnung über die Umwelt.

Erkundungsverhalten

Erkundungsverhalten dient der Informationsgewinnung über die Umwelt.


Typische Verhaltensweisen sind:

·        Schnüffeln

·        Beobachten

·        Lauschen

·        vorsichtiges Untersuchen neuer Gegenstände oder Situationen


Dieses Verhalten hilft dem Hund, seine Umwelt einzuschätzen und Sicherheit zu gewinnen.









Sexualverhalten

Sexualverhalten steht im Zusammenhang mit Fortpflanzung, Partnersuche und hormonellen Einflüssen.


Dazu gehören beispielsweise:

·        intensives Schnüffeln

·        Markieren

·        Aufreiten

·        Imponierverhalten

·        Paarungsverhalten


Nicht jedes Aufreiten hat einen sexuellen Hintergrund. Je nach Situation können auch Stress, Erregung oder soziale Faktoren eine Rolle spielen.


Beutefang- und Jagdverhalten

Das Jagdverhalten gehört zu den angeborenen Verhaltensweisen des Hundes.

Je nach Hund und genetischer Veranlagung können unterschiedliche Teile der Jagdsequenz stärker oder schwächer ausgeprägt sein.


Dazu gehören:

·        Orientieren

·        Fixieren

·        Anschleichen

·        Hetzen

·        Packen

·        Schütteln


Jagdverhalten dient ursprünglich dem Nahrungserwerb, tritt heute jedoch häufig auch in anderen Zusammenhängen auf.


Spielverhalten

Spielverhalten gehört zu den wichtigsten Verhaltensweisen für die soziale und körperliche Entwicklung.

Spielverhalten gehört zu den wichtigsten Verhaltensweisen für die soziale und körperliche Entwicklung.

Typische Merkmale sind:

·        Spielaufforderungen

·        Rollenwechsel

·        Selbsthandicapping

·        Objektspiele

·        Renn- und Fangspiele


Spiel fördert soziale Kompetenzen, Motorik, Kommunikation und Lernfähigkeit.



Imponierverhalten

Imponierverhalten dient dazu, Stärke, Selbstsicherheit oder Status zu demonstrieren und dadurch Konflikte möglichst zu vermeiden.


Typische Merkmale können sein:

·        aufrechte Körperhaltung

·        langsame, kontrollierte Bewegungen

·        Markieren

·        T-Stellung

·        Aufrichten der Nackenhaare

·        Kreisen um einen Artgenossen


Imponierverhalten wird häufig fälschlicherweise als Dominanz interpretiert, dient jedoch oft der Kommunikation und Konfliktvermeidung.


Agonistisches und Aggressionsverhalten

Agonistisches Verhalten umfasst sämtliche Verhaltensweisen, die im Zusammenhang mit sozialen Konflikten stehen.


Dazu gehören:

·        Drohverhalten

·        Abwehrverhalten

·        Verteidigung

·        Angriff

·        Flucht

·        Konfliktlösung


Aggression ist dabei nicht grundsätzlich negativ, sondern ein natürlicher Bestandteil der Kommunikation und dient häufig dem Schutz von Ressourcen, dem Selbstschutz oder der Konfliktregelung.


Verhalten immer im Gesamtkontext betrachten

Die Einteilung in Verhaltenskategorien hilft dabei, Hundeverhalten besser zu verstehen und fachlich einzuordnen. In der Praxis lassen sich Verhaltensweisen jedoch selten eindeutig nur einer Kategorie zuordnen.


Ein Hund kann gleichzeitig erkunden, unsicher sein und soziale Signale senden. Ebenso können mehrere Verhaltenskategorien ineinandergreifen oder sich gegenseitig beeinflussen.

Deshalb sollte Verhalten niemals isoliert betrachtet werden. Für eine fundierte Einschätzung sind immer der individuelle Hund, sein Normalausdruck, die Situation sowie die Umweltbedingungen zu berücksichtigen.



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