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Diabetes beim Hund – erkennen, verstehen und richtig handeln

12. Sept.
5 Min. Lesezeit

Diabetes mellitus ist auch bei Hunden eine Erkrankung, mit der sich Hundehalter plötzlich auseinandersetzen müssen. Die Diagnose kann zunächst verunsichern. Mit der richtigen Behandlung und einem gut abgestimmten Alltag können viele Hunde mit Diabetes jedoch weiterhin ein schönes, aktives und erfülltes Leben führen.


Wichtig ist vor allem, die Erkrankung zu verstehen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und zu wissen, wann gehandelt werden muss.


Was ist Diabetes beim Hund?

Bei Diabetes mellitus kann der Körper den Blutzucker nicht mehr ausreichend regulieren.


Eine wichtige Rolle spielt dabei das Hormon Insulin. Es sorgt dafür, dass Glukose aus dem Blut in die Körperzellen gelangt und dort als Energie genutzt werden kann – vereinfacht gesagt nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip.


Fehlt Insulin oder kann es nicht ausreichend wirken, steigt der Blutzuckerspiegel an. Gleichzeitig kann die Glukose von vielen Körperzellen nicht ausreichend aufgenommen und als Energie genutzt werden.


Bei Hunden besteht in der Regel ein Insulinmangel, weshalb betroffene Hunde meist dauerhaft auf die Gabe von Insulin angewiesen sind.


Welche Symptome können auf Diabetes hinweisen?

Diabetes entwickelt sich nicht immer plötzlich. Häufig fallen Hundehalter zunächst Veränderungen im Alltag auf.


Typische Anzeichen können sein:

  • deutlich mehr Durst als früher (Polydipsie)

  • häufigeres oder vermehrtes Urinieren (Polyurie)

  • gesteigerter Appetit (Polyphagie)

  • Gewichtsverlust trotz gutem oder gesteigertem Appetit

  • Müdigkeit und Leistungsschwäche

  • wiederkehrende Harnwegsinfektionen

  • Veränderungen von Fell oder Haut

  • Trübung der Augen durch einen diabetischen Katarakt

Besonders auffällig ist die Kombination aus vermehrtem Trinken, häufigem Urinieren und Gewichtsverlust.


Solche Veränderungen sollten immer tierärztlich abgeklärt werden. Zur Diagnostik gehören in der Regel unter anderem Blut- und Urinuntersuchungen.


Warum kann Diabetes beim Hund gefährlich werden?

Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel belastet den Organismus. Ein unbehandelter oder unzureichend eingestellter Diabetes kann deshalb zu verschiedenen Folgeproblemen führen.


Eine häufige Komplikation beim Hund ist der diabetische Katarakt. Durch die Stoffwechselveränderungen kann sich die Linse des Auges eintrüben. Das Sehvermögen kann sich dadurch innerhalb relativ kurzer Zeit deutlich verschlechtern.


Medizinischer Notfall: Diabetische Ketoazidose (DKA)

Eine besonders schwere Komplikation ist die diabetische Ketoazidose.


Dabei kann der Körper aufgrund des Insulinmangels Glukose nicht ausreichend zur Energiegewinnung nutzen und beginnt verstärkt Fett abzubauen. Dabei entstehen Ketonkörper und der Stoffwechsel kann schwer entgleisen.


Mögliche Anzeichen sind:

  • starke Schwäche (Lethargie)

  • Teilnahmslosigkeit (Apathie)

  • Futterverweigerung (Anorexie)

  • Erbrechen

  • vermehrtes Trinken und Urinieren

  • Austrocknung (Dehydratation)

  • auffällige Atmung oder Acetongeruch

  • Bewusstseinsstörungen


Eine diabetische Ketoazidose ist ein medizinischer Notfall und muss umgehend tierärztlich behandelt werden.


Wie wird Diabetes festgestellt?

Der Verdacht auf Diabetes entsteht häufig aufgrund der typischen Symptome.


Zur Diagnose werden unter anderem Blut- und Urinuntersuchungen durchgeführt. Entscheidend ist dabei nicht nur ein einzelner erhöhter Blutzuckerwert, sondern das Gesamtbild aus klinischen Symptomen und Untersuchungsergebnissen.


Nach der Diagnose wird gemeinsam mit der behandelnden Tierarztpraxis oder Tierklinik ein individueller Therapieplan erstellt.


Die Behandlung

Die wichtigste Säule der Behandlung ist beim Hund die Gabe von Insulin.


Das Insulin wird unter die Haut gespritzt. Die genaue Dosierung und das verwendete Präparat werden individuell auf den jeweiligen Hund abgestimmt.


Die Insulindosis sollte niemals eigenständig verändert werden. Auch wenn einzelne Blutzuckerwerte ungewöhnlich hoch oder niedrig erscheinen, sollte eine Anpassung immer mit der behandelnden Tierarztpraxis oder Tierklinik abgesprochen werden.


Neben dem Insulin spielen regelmässige Fütterungszeiten, eine möglichst konstante Futtermenge und ein gleichmässiger Tagesablauf eine wichtige Rolle.


Blutzuckerkontrollen

Die Kontrolle des Blutzuckers kann dabei helfen, die Therapie besser einzustellen und Veränderungen frühzeitig zu erkennen.


Je nach Situation können beispielsweise klassische Blutzuckermessgeräte oder kontinuierliche Glukosemesssysteme (CGM) eingesetzt werden.


Wichtig ist, nicht nur auf einzelne Messwerte zu schauen. Entscheidend sind das gesamte Blutzuckerprofil, die Entwicklung über einen längeren Zeitraum und der Allgemeinzustand des Hundes.


Mit der Zeit lernen Hundehalter immer besser, welche Werte und Veränderungen für ihren eigenen Hund typisch sind.


Unterzuckerung – Hypoglykämie

Nicht nur ein zu hoher Blutzucker kann gefährlich werden. Auch ein zu niedriger Blutzuckerspiegel kann für einen Hund mit Diabetes lebensbedrohlich sein.


Eine Hypoglykämie kann beispielsweise auftreten, wenn ein Hund deutlich weniger frisst als gewohnt, erbricht oder eine für ihn zu hohe Insulindosis erhalten hat.


Mögliche Anzeichen sind:

  • Schwäche

  • Zittern

  • Unruhe

  • Orientierungslosigkeit

  • ungewöhnliches Verhalten

  • Taumeln

  • Krampfanfälle

  • Bewusstlosigkeit

Eine schwere Hypoglykämie ist ein medizinischer Notfall.


Hundehalter sollten deshalb mit ihrer behandelnden Tierarztpraxis besprechen, welche Notfallmassnahmen für ihren Hund vorgesehen sind und wann unverzüglich eine Tierarztpraxis oder ein tierärztlicher Notfalldienst kontaktiert werden muss.


Ernährung und Alltag

Ein Hund mit Diabetes braucht nicht zwingend ein völlig anderes Leben. Viel wichtiger ist ein regelmässiger und gut planbarer Alltag.


Fütterungszeiten sollten möglichst konstant sein. Auch die Futtermenge sollte nicht ständig wechseln.


Bei der Auswahl des Futters spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Welche Ernährung für den einzelnen Hund geeignet ist, hängt unter anderem vom Körpergewicht, möglichen Begleiterkrankungen, der Futteraufnahme und der individuellen Stoffwechselsituation ab.


Auch Bewegung ist wichtig.


Grosse Schwankungen bei der körperlichen Aktivität können den Blutzucker beeinflussen. Deshalb ist ein möglichst gleichmässiger Bewegungsrhythmus häufig sinnvoll.

Checkliste: Was können Hundehalter zuhause beobachten?

Hundehalter spielen bei der erfolgreichen Behandlung eine zentrale Rolle. Viele wichtige Veränderungen zeigen sich zuerst im normalen Alltag.


Trinken Trinkt der Hund deutlich mehr oder weniger als gewöhnlich?

Urinieren Muss er häufiger hinaus oder setzt er ungewöhnlich grosse Mengen Urin ab?

Fressen Frisst er seine Mahlzeiten zuverlässig und wie gewohnt?

Gewicht Bleibt sein Körpergewicht stabil oder nimmt er zu beziehungsweise ab?

Verhalten Wirkt er aufmerksam und normal oder ungewöhnlich müde, unruhig oder verändert?

Bewegung Ist seine Leistungsfähigkeit wie gewohnt?

Blutzucker Entsprechen die gemessenen Werte beziehungsweise Verläufe dem mit der Tierarztpraxis vereinbarten Zielbereich?


Solche Beobachtungen können für die Beurteilung und Anpassung der Therapie sehr wertvoll sein.


Diabetes bedeutet nicht das Ende eines normalen Hundelebens

Die Diagnose Diabetes verändert den Alltag – aber sie bedeutet nicht automatisch, dass ein Hund seine Lebensqualität verliert.


Mit einer gut eingestellten Therapie, regelmässigen Kontrollen und einem auf den Hund abgestimmten Tagesablauf können viele Hunde weiterhin spazieren, arbeiten, spielen, reisen und aktiv am Familienleben teilnehmen.


Entscheidend ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Hundehalter und der behandelnden Tierarztpraxis oder Tierklinik.


Das Wichtigste auf einen Blick

Achte besonders auf:

  • vermehrten Durst

  • häufiges oder vermehrtes Urinieren

  • Gewichtsverlust

  • gesteigerten Appetit

  • Müdigkeit oder Leistungsschwäche

  • Veränderungen der Augen

  • Veränderungen des Allgemeinzustandes

Bei einem bereits diagnostizierten Hund:

  • Insulin regelmässig und nach tierärztlicher Anweisung geben

  • Fütterungszeiten möglichst konstant halten

  • Gewicht und Trinkverhalten beobachten

  • Blutzucker nach dem vereinbarten Schema kontrollieren

  • Veränderungen frühzeitig mit der Tierarztpraxis besprechen

  • bei Verdacht auf Unterzuckerung oder Ketoazidose sofort handeln

Diabetes lässt sich behandeln – Wissen gibt Sicherheit

Die Diagnose Diabetes ist für viele Hundehalter zunächst eine grosse Herausforderung. Je besser man die Erkrankung versteht, desto sicherer wird der Umgang damit.


Ein Hund mit Diabetes braucht vor allem Konstanz, Aufmerksamkeit und eine individuell abgestimmte Therapie.


Und vor allem: Hinter jeder Diabetesdiagnose steht nicht nur ein Blutzuckerwert, sondern ein Hund, der weiterhin ein möglichst normales und erfülltes Leben führen möchte.


Pawabetes – Wissen und Unterstützung rund um Diabetes beim Hund

Wer plötzlich mit der Diagnose Diabetes beim eigenen Hund konfrontiert wird, hat oft viele Fragen. Genau hier setzt Pawabetes an.


Hinter Pawabetes steht Jan Reber, Tiermedizinischer Praxisassistent (TPA), dipl. Notfallmedizin und Assistent der Diabetologie. Mit Pawabetes vermittelt er verständlich aufbereitetes Wissen rund um Diabetes beim Tier und unterstützt Tierhalter dabei, die Erkrankung besser zu verstehen und im Alltag mehr Sicherheit im Umgang damit zu gewinnen.


Weitere Informationen findest du direkt bei Pawabetes.


Zum Weiterhören:

Im TKM Podcast, Folge 17 – „Diabetes mellitus bei Tieren“ spricht Jan Reber ausführlicher über das Thema Diabetes bei Tieren. Podcast-Folge auf Spotify anhören


Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung, Diagnose oder individuelle Therapieempfehlung. Bei gesundheitlichen Veränderungen oder einem medizinischen Notfall sollte immer eine Tierarztpraxis oder Tierklinik kontaktiert werden.





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